Wie elektronische Netze und die "reale Stadt" aufeinander wirken: Virtuelle Communities in Urbanen Räumen am Beispiel der Wiener Gasometer
Viel war in den 90ern die Rede von der virtuellen Realität, Cyberspace und Datenhighway, und die obskursten Phantasien hefteten sich an diese Begriffe. Der Feuilleton nahm McLuhans Global Village zur Hand und bauschte es medienwirksam auf. Nach zehn Jahren kann der Hype getrost ad acta gelegt werden und einer nüchterneren Perspektive Platz machen. Was hat es nun tatsächlich auf sich mit den nicht mehr ganz so "Neuen" Medien?
Diesen Begriff hat Florian Rötzer geprägt, einer der wenigen Experten auf dem Gebiet Stadtentwicklung und elektronische Netze. Er bezeichnet damit eben jene Phänomene, die in diesem Zusammenhang auftreten. Dabei geht es nicht nur um Online-Communities, sondern um alle Lebensbereiche wie Arbeit, Einkaufen, Bildung etc., die von den Online-Medien verändert werden. Die Telepolis befindet sich zweifellos auf dem Vormarsch und ermöglicht es jedem, die eigenen vier Wände zur persönlichen Kommunikationszentrale zu machen. Die virtuellen Gemeinschaften ermöglichen einen ungezwungenen Dialog in der anonymen Großstadt. Ist es also die angebliche Einsamkeit, die der Telepolis regen Zulauf beschert?
Ein anderer Zugang wäre, das Ganze unter dem Gesichtspunkt Zentrum <- > Peripherie zu sehen. Die neuen Kommunikationsnetze könnten die Sogwirkung der Zentren vermindern und der Peripherie eine Chance auf Entwicklung geben. Mit vorhandenen Breitbandleitungen (und natürlich guten Verkehrsverbindungen) wäre es demnach nicht mehr so wichtig einen Wirtschaftsstandort möglichst zentral einzurichten. Das könnte die Entwicklung von Nebenzentren begünstigen und der oftmals tristen, weil falsch geplanten Suburbia Leben einhauchen.
Nun, Theorie schön und gut, aber wie sieht es vor Ort aus? Haben verkabelte Wohntürme mit angeschlossenem Cineplexkino und einer Shoppingmall etwas mit Urbanität zu tun? Kittelberger sagt nein und beruft sich auf Rötzers historische Definition, die besagt, dass Urbanität auch mit einer weltoffenen, toleranten Lebenseinstellung zu tun hat. Das zu "messen" ist nicht ganz einfach, aber auch mit beschränkten Mitteln lässt sich zumindest zum Internetgebrauch ein Fragebogen zusammenstellen und unter die Leute bringen, wie es die Autorin getan hat.
Immerhin unternehmen neun von 20 Befragten regelmäßig etwas gemeinsam mit anderen GasometerbewohnerInnen, zum Teil im Kontext mit der Online-Community "gasometer.cc". 80 Prozent der Befragten haben einen Internetanschluss und 60 Prozent der Befragten sind bei gasometer.cc registriert, aber nur wenige beteiligen sich auch aktiv daran. Ein möglicher Hinweis darauf, dass auch unabhängig von der Telepolis die Gemeinschaftsbildung klappen kann. Wo in der Stadt von heute genau Netzwerkcluster entstehen, wäre ein weites Untersuchungsfeld für die Sozialwissenschaften.
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